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UNSERE SOZIALPÄDAGOGEN

35 Sozialpädagogen arbeiten zur Zeit bei der Möwe mit den Jugendlichen.
8 unserer Mitarbeiter geben hier stellvertretend Einblicke in unseren Arbeitsalltag.

Vanessa Hofmeister – „Authentizität vermitteln“ – Dipl.- Sozialarbeiterin – Arbeitsplatz Familienwohnzimmer – seit 2010 bei der Möwe.

Ich muss dem Jugendlichen, den ich betreue, Authentizität vermitteln, mich als Mensch präsentieren und auch persönliche Fragen zulassen. Der Jugendliche soll dies als Grundstein unserer Kooperation begreifen. Ein Stück weit lasse ich zu, dass der Jugendliche sich an mir „abarbeitet“, weil ich seine Geschichte im Hinterkopf habe. Das heißt nicht, dass man nicht auch Grenzen setzt, aber diese werden weiter sein als bei anderen Mitmenschen. Bevor ich zur Möwe kam, arbeitete ich für das Jugendamt Frankfurt. Dieses ist für die Analyse des Bedarfs und die Koordination der Hilfeleistungen innerhalb der Jugendhilfe zuständig. Hilfe zur Erziehung – wie dies die Möwe u.a. anbietet – wird an die Träger weitergegeben. Ich bin zur Möwe gewechselt, weil ich die enge Zusammenarbeit mit den Jugendlichen suche. Ich will anpacken, umsetzen, selbst machen, nicht nur delegieren. Ich habe den Wechsel nicht bereut.


Dieter Weckerle – „Blauhelm-Einsatz für Jugendliche“ – Dipl.-Sozialpädagoge – Jugend- und Erwachsenenbildung – seit 2000 bei der Möwe (vorher im Kinder- und Jugendheim Heilsberg tätig).

Als Sozialpädagoge ist man Vermittler zwischen den Fronten, um für die Jugendlichen den bestmöglichen Entwicklungsspielraum zu schaffen. Sämtliche Institutionen, die für die Jugendlichen wichtig sind, werden ins Boot geholt – das Jugendamt, das System Schule, Eltern oder Vormund, Ärzte, Psychotherapeuten – und man versucht, die Reibungen zwischen den Parteien möglichst klein zu halten und im Idealfall auch aufzulösen. Ebenso muss der Jugend­liche lernen, mit Erwachsenen zu interagieren. Wir machen ihm bewusst, dass man auch „positiv“ streiten kann. Meist kennen die von uns betreuten Jugendlichen nur Kommunikation, die schreiend ausgetragen wird. Wir vermitteln ihnen Kommunika­tion auf verträglicher Basis. Die Jugendlichen sollen lernen, dass eine Diskussion nicht zwangsläufig darin endet, dass der andere laut wird oder einfach abhaut.


Hüseyin Arslan – „Sozialarbeit als Ressourcenentdeckung“ – Dipl.-Sozialpädagoge, Dipl.-Pädagoge, NLP-Ausbildung – Familienkonflikte mit interkulturellen Aspekten, sexueller Missbrauch an Jungen – seit 2008 bei der Möwe.

Vor einigen Jahren las ich eine Statistik, die besagte, dass 50 % der türkischen Kinder ohne Hauptschulabschluss von der Schule gehen. Diese Zahl hat mich aufgeschreckt und dazu bewogen, etwas zu tun. Ich begann mit der Lernhilfe und arbeite mittlerweile seit 12 Jahren in der Jugend- und Familienhilfe. Ich freue mich, wenn ich es geschafft habe, einen Jugendlichen bis in den Beruf zu begleiten. Dabei muss immer im Vordergrund stehen, was der Jugend­liche sich selbst zutraut und umsetzen kann, nicht, wo ich ihn als Sozialpädagoge sehen will. Man muss seinen eigenen Ehrgeiz zurückstellen und in den Jugendlichen hineinhorchen, seine Ressourcen erkennen und fördern. Man darf den Stab nicht zu hoch legen, sonst verschreckt man den Jugendlichen und erreicht das Gegenteil von dem, was man erreichen könnte.


Claudia Kadoch – „Mit Humor kritische Situationen aus­hebeln“ – Dipl.-Sozialarbeiterin – Drogenhilfe, Entwicklungs­hilfe, Projektleiterin/Standortleiterin/ Management, HIV-Fortbildungen – seit 2011 bei der Möwe.

Ich war lange Jahre in der Drogenhilfe tätig, sowohl als „Streetworkerin“ als auch beim „Betreuten Wohnen“, aber auch im „Druckraum“ und im „Kontaktladen“. In der Drogenhilfe lernt man ganz gut mit aggressiven Jugendlichen umzugehen, da man hiermit öfter konfrontiert wird. Ich habe gelernt ruhig zu bleiben, und versuche, mit Humor kritische Situationen auszuhebeln. Lautes und drohendes Verhalten oder das Beharren auf Verhaltensweisen sehe ich als eine Art Erpressungsversuch – dem muss man Bestimmtheit und Angstfreiheit entgegensetzen. Aus meiner Zeit in der Drogenhilfe kenne ich auch den Umgang mit Jugendlichen mit psychischen Problemen und Auffälligkeiten. Bei der Möwe arbeite ich im „innengeleiteten System“, d.h. 24 Stunden am Tag ist ein Betreuer in der Wohngruppe anwesend. Da dieses System ähnlich einer Familie funktioniert, ist Professionalität sehr wichtig. Man muss den Jugendlichen viel Fürsorge, Liebe und Vertrauen entgegenbringen. Man muss ihnen Beständigkeit vermitteln aber auch klar machen, dass man eine „eigene“ Familie besitzt.


Heinz Ulrich – „Jenseits des Pflichtprogramms“ – Sozialarbeiter, Ausbildung Lehrer an Grund-/Haupt- und Realschule (Sek I) – Kinderschutzkompetenz, Freizeitpädagogische Maßnahmen (u.a. Kanufreizeitbetreuer) – seit 2000 bei der Möwe.

Als ausgebildeter Lehrer (Sek I) habe ich mich für den Beruf des Sozialpädagogen entschieden, weil ich näher an der Entwicklung der Kinder sein wollte. Bei den freizeitpädagogischen Maßnahmen z.B. erlebe ich die Jugendlichen jenseits ihres Pflichtprogramms. Sie begegnen mir natürlicher, entspannter. Viele Jugendliche mit problembehafteter Kindheit benötigen Unterstützung, um überhaupt erst einmal herauszufinden, was sie gerne machen. Auch in der Gruppe Spaß zu haben, ist für diese Jugendlichen nicht selbstverständlich. „Vertrauen“ und „Sich Fallenlassen“ sind hier Stichworte. Als Sozialpädagoge erhalte ich Hintergrundinfor­mationen über Jugendliche, die z.B. die Lehrer nicht besitzen. Um die Hilfe für die Jugendlichen zu optimieren, stehe ich in ständigem Kontakt zur Schule.


Cintia Spellmeier – „Elternberatung als Ergänzung“ –
Dipl.-Sozialpädagogin – Systemische (Familien-) Beraterin, Kurs­leiterin „Starke Eltern – Starke Kinder“ – seit 2007 bei der Möwe.


Im Rahmen der Erziehungshilfen biete ich den Schwerpunkt der Elternberatung an – u.a. auch in Zusammenarbeit mit KollegInnen. Ich führe Elterngespräche und Familienkonferenzen durch, die sowohl in einer neutralen Umgebung im Frankfurter Büro als auch im sozialen Umfeld der Familie stattfinden können. Der Vorteil dieser Aufgabenteilung ist: Die Elternarbeit kann getrennt von der Arbeit mit den Kindern oder Jugendlichen angegangen werden. Im Verlaufe meines Berufslebens habe ich festgestellt, dass es erforderlich ist, die Bedürfnisse, Ängste und Wünsche der KlientInnen wahrzunehmen, um Handlungs- und Strategiemöglichkeiten zu erarbeiten und die KlientInnen bei der Umsetzung zu unterstützen.


Silvia Sann – „Man steckt viel ein – bekommt aber auch viel zurück“ – Dipl.-Sozialpädagogin – Begleitung junger Erwachsener in die Selbständigkeit, Organisation und Durchführung von Bildungsurlaubsreisen, Dozententätigkeit Berufs­fachschule, Gezieltes Lernen für Schulunterricht/schulische Abschlußprüfungen/ Berufsschulunterricht – bei der Möwe seit 1992 (vorher im Kinder- und Jugendheim Heilsberg tätig).

Mittlerweile bin ich 33 Jahre für Kinder und Jugendliche tätig. Im „betreuten Wohnen“ begleite ich junge Erwachsene in die Selbständigkeit. Für die optimale Unterstützung hinsichtlich Prüfungsvorbereitung und Schule kommt mir meine zusätzliche Ausbildung zur Bürokauffrau zugute. Zu vielen meiner „Ehemaligen“ habe ich noch Kontakt, werde zu Hochzeiten eingeladen oder über Geburten informiert. Dies sind die Höhepunkte meines Jobs, wenn ich erkenne, dass der Schritt in die Selbstständigkeit gelungen ist und ich durch mein Wirken einen Grundstein hierfür gelegt habe. Natürlich erlebe ich auch Kehrseiten – der Jugendliche weicht mir aus geht nicht ans Telefon oder verschiebt Termine. Unvoreingenommenheit und Geduld sind wichtig – man muss Rückschläge einstecken und versuchen, vorurteilsfrei weiterzumachen.


Judith Reichert – „Auch mal einen Schritt zurückgehen“ – Dipl.-Sozialpädagogin – Heil- und Sonderpädagogik, Ferienbetreuerin, Therapeutische Reitgruppe – seit 2013 bei der Möwe.

Ich bin über das therapeutische Reiten zu meinem Beruf gekommen. Der Reitverein, in dem ich war, hat viel für behinderte Kinder getan. Durch das therapeutische Reiten ist mein Interesse für sozialtherapeutisches Arbeiten geweckt worden. Ich habe mit einem Praktikum im Kinderladen angefangen und später in einer Mädchenwohngruppe gearbeitet. Dabei habe ich gemerkt, dass ich gut in Kontakt komme und schnell aufgenommen werde. Der Umgang mit Kindern und Jugendlichen macht mir Spaß. In unserem Beruf muss man eine selbstsichere Persönlichkeit sein, um auch mal einen Schritt zurückgehen zu können und nicht nur auf seinem Recht zu beharren. Der Balanceakt – konsequent, aber gleichzeitig liebevoll zu sein – an dem wohl die meisten Eltern täglich arbeiten – ist auch Mittelpunkt des „Betreuten Wohnens“.